Arzneimittelfälschungen

- rasant steigende Fälle in Deutschland

Zahl der beschlagnahmten illegalen Arzneimittel in Millionen Stück

Der weltweit größte Einzelfund von Dopingmitteln: Mehr als fünf
Millionen Einheiten Doping- und Arzneimittel

Die Zollfahndung hat 5,3 Millionen sichergestellte Doping- und Arzneimittel sowie 20.000 gefälschte Markentextilien im Müllheizkraftwerk Frankfurt verbrannt. Die rund 30 Tonnen Beweismittel sind die größte Menge sichergestellter Arzneimittel und Kleidung, die in Deutschland je auf einen Schlag vernichtet wurde, wie Zollsprecher Hans-Jürgen Schmidt sagte. Übertroffen werde dies nur von riesigen Mengen geschmuggelter Zigaretten und gefälschter Sportschuhe, die im Hamburger Hafen sichergestellt worden waren.

 

Mit zwei Containern wurden die Tabletten, Kleidungsstücke, Kapseln und Ampullen am Mittwoch per Lastwagen von einem Lager des Zolls im Rhein-Main-Gebiet zum Müllheizkraftwerk nach Frankfurt gebracht. Dort wurden die Beweismittel, die etwa 350 Hausmülltonnen füllten, zunächst geschreddert und dann verbrannt. Den Wert der Anabolika, Potenz- und Schlankheitspillen bezifferte Sylke Zabel vom Zollkriminalamt Köln auf zehn bis 15 Millionen Euro.

 

Schlankheitspillen mit einem gefährlichen Wirkstoff

Darunter ist der weltweit größte Einzelfund von Dopingmitteln, den die Fahnder im Herbst 2010 in einem Lager im mittelhessischen Nidda entdeckt hatten: Mehr als fünf Millionen Einheiten Anabolika und andere Dopingmittel. Der Kaufmann, der die Dopingsubstanzen vertrieb, wurde im April vom Landgericht Gießen rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte umfassend ausgepackt. In fünf Verfahren des Komplexes wird nach Angaben der Zollfahndung noch ermittelt.

Die rund 50.000 Schlankheitspillen mit einem gefährlichen Wirkstoff stammen aus einem Verfahren gegen zwei rumänische Stewardessen. Die Frauen wollten die Pillen von China nach Rumänien schmuggeln, wurden aber in Frankfurt aufgegriffen. Die Medikamente wurden sichergestellt, die Frauen konnten nach Rumänien weiterreisen.

In seiner Jahresbilanz 2010 warnt der deutsche Zoll die Verbraucher vor Arzneimittelfälschungen aus aller Welt. „Wer Arzneimittel bei dubiosen Internetadressen im Ausland bestellt, läuft Gefahr, nicht nur sein Konto, sondern auch seine Gesundheit zu ruinieren“, bestätigt Heinz-Günter Wolf, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: „Die sicherste Art und Weise, ein geprüftes Medikament zu bekommen, ist der Gang zur Apotheke um die Ecke.“

„Unverändert besorgniserregend“ sei der Trend, warnt das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg. „Das Motto ‚billig, ohne Rezept und anonym‘ verleitet offensichtlich viele Menschen zum Kauf derartiger Produkte, die in einer überwiegend großen Anzahl durch die Beimengungen falscher Wirksubstanzen stark gesundheitsgefährdend sind.“

 

Nach Angaben der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz in München hat der Zoll 574 Beschlagnahmungen im Jahr 2010 durchgeführt. Unter den Herkunftsländern der Aufgriffe liegt Indien mit 68 Prozent vor Hongkong (10 Prozent) und Iran (8 Prozent). Im Jahr 2009 lag Indien (86 Prozent) vor China (5 Prozent) und den Seychellen (4 Prozent). Das Zollkriminalamt in Köln meldet, dass der Handel mit illegalen Arzneimitteln „seit dem Jahr 2005 stetig an Bedeutung gewonnen“ hat. 2005 wurden 0,5 Mio. Tabletten sichergestellt, 2010 hingegen 5 Mio. Stück. Die Zahl der Ermittlungsverfahren hat sich zuletzt um mehr als ein Drittel von 644 (2009) auf 916 (2010) erhöht.Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz haben „2010 drastisch zugenommen“, berichtet das Zollfahndungsamt in Frankfurt/Main. Mehr als 3 Mio. Tabletten, eine Tonne Arzneipulver und 14 Mio. Ampullen wurden sichergestellt.

 

 

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Ihre Jutta Doebel

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